Junge Hunde und Treppen....
und was ich von Dana lernen durfte

Ein gern verbreiteter Ratschlag ist es, dass gerade großwüchsige Hunde oder solche mit langen Rücken wie z. B. Dackel, im ersten Lebensjahr keine Treppen laufen und bestenfalls getragen werden sollen, um die Gelenke und die Wirbelsäule im Wachstum zu schonen. An und für sich in der Theorie ganz gut und aus gesundheitlicher Sicht ganz klar vorteilhaft für unsere Vierbeiner, aber wie alltagspraktikabel ist das im späteren gemeinsamen Alltag? Was ist, wenn der 6-monatige Bernhardiner schon ca. 40 kg auf die Waage bringt und vorsichtshalber jeden Treppenaufgang hoch- und hinabgetragen wird und dann später mit einem Endgewicht von ca. 70 kg, jede Stufe verweigert zu gehen? 

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich wie einschränkend es sein kann, wenn der eigene Hund keine Treppen laufen kann, weil er es in der sensiblen Phase als Welpe nicht gelernt hat. Als ich meine Labradorhündin Dana als Hundebaby bekam, wollte ich als motivierte junge Hundebesitzerin natürlich alles richtig machen. Also wurde die kleine Maus bei jeder Treppe die unseren Weg kreuzte, auf dem Arm genommen und entweder hinauf- oder hinabgetragen. Aus dem tapsigen kleinen Welpen wurde aber schon recht bald eine ausgewachsene Hündin, die sehr offen für neue Erfahrungen im Alltag war, aber die strikt jede kleinste Treppenstufe verweigerte. Egal, ob Wohnungsetagen, in Hotels oder an öffentlichen Plätzen. Hier halfen keine Leckerlies, kein gutes Zureden oder behutsames Training. Dana war zum einen motorisch nicht in der Lage Treppenstufen zu überwinden, da sie es nie gelernt hatte, ihre Bewegungen entsprechend dem Auf- und Abstieg zu koordinieren und zum anderen machte ihr gerade das Treppenabsteigen Angst, da Hunde dann in der Regel etwas kopfüber laufen. Tja .... und wenn Dana etwas nicht wollte, dann wollte sie nicht. Punkt! Vor diesem Sturkopf musste sogar ich den Hut ziehen. Zeitlebens waren daher Treppen, die überwinden werden mussten, für uns beide ein großes Grausen. Denn nicht selten habe ich amüsierte Blicke geerntet, wenn ich nach ein paar Mal guten Zureden und Locken, das zeitweise doch etwas zu dicke Hündchen resigniert auf dem Arm genommen habe, um sie zu tragen. Für mich eine schweißtreibende Angelegenheit, denn Dana brachte mehr als die Hälfte meines eigenen Gewichts auf die Waage, was mir mein Rücken bestimmt auch  nicht gerade dankte und hierzu kam immer das Risiko, dass wir zusammen die Treppe herabstürzen und uns beide schwer verletzen. Letzteres ist zum Glück nie passiert. 

 

Aber wie kann man es richtig machen? Auch beim Treppensteigen kommt es – wie auch bei fast allen anderen Dingen in der Hundeerziehung - auf das richtige Maß und das Feingefühl des Besitzers an. Selbstverständlich sollen gerade junge Hunde im Wachstum nicht jeden Tag unzählige Treppenstufen gehen, aber es ist natürlich vom Vorteil, wenn gerade junge Hunde unbefangen die Erfahrungen mit diesen machen dürfen. Bestenfalls sogar Treppen mit verschiedenen Untergründen wie z. B. glatt, offen oder geschlossen. 3-4 Stufen mit motivierender Unterstützung vom Halter sind für einen Welpen in Ordnung und es festigt dazu die Bindung, da man sich zusammen etwas erarbeitet. Aber falls doch mehr Stufen zu nehmen sind, wird der kleine Hund natürlich vorsichtshalber auf dem Arm genommen. 

 

Heute im Rückblick entschuldige ich mich übrigens sehr oft in Gedanken bei Dana, dass sie alle meine Fehlentscheidungen in Bezug auf Ernährung und Haltung aufgrund von Unwissenheit oder gutem Glauben ausbaden musste und trotzdem so eine enge Mensch-Hund-Beziehung mit mir eingegangen ist. Und hätte ich heute die Chance, ich würde natürlich „meine Sonne“ jederzeit wieder liebend gerne auf den Arm nehmen und sie treppauf- und treppab tragen.

04. August 2021